• Versandkosten (D) - 3,50 € - frei ab 50 €
  • Versandkosten (EU) 10 € - frei ab 100 €
  • Versand immer mittwochs
  • Zahlung per Rechnung
  • vertrieb@bvss.de
  • Versandkosten (D) - 3,50 € - frei ab 50 €
  • Versandkosten (EU) 10 € - frei ab 100 €
  • Versand immer mittwochs
  • Zahlung per Rechnung
  • vertrieb@bvss.de

Gerd Riese: King George, Chagall, die Monroe und wir

ab 10,80 €

inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

Gerd Riese

King George, Chagall, die Monroe und wir

Erzählungen aus dem Leben stotternder Menschen

Demosthenes Verlag, Köln, 2012, 222 Seiten

Normalpreis: 14,80 € | BVSS-Mitglieder: 10,80 €
Preis = Schutzgebühr

ISBN 978-3-921897-67-6


Ein Buch mit fesselnd erzählten Geschichten, die Mut machen, mit dem Handicap Stottern kämpferisch und zugleich gelassen umzugehen.
Geschichten von ganz normalen Menschen, die nebenan wohnen könnten, aber auch von stotternden Prominenten wie Marc Chagall, Marilyn Monroe, Ludwig Wittgenstein, Maxie Wander, David Seidler und anderen.
Spannende Geschichten vom Jetzt-erst-recht. Und: vom Glück.


>> BLICK ins BUCH <<


Inhaltsverzeichnis

. . 4 . Vorwort
. . 6 . Der berühmteste Stotterer der Welt (King George und David Seidler)
. 18 . Die Ausschreitung
. 28 . Ismael
. 32 . Miniaturen I
. 37 . Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer (Marc Chagall)
. 54 . Zweistein angepisst
. 59 . Bj-Björn
. 61 . Hanebüchen
. 65 . Mein Name ist
. 66 . Miniaturen II
. 71 . Nein, Marilyn ist kein Vorbild für mich (Marilyn Monroe)
. 76 . Ein Wunsch
105 . Cuba Libre
107 . Miniaturen III
112 . Herr Bundeskanzler, noch ein paar ganz persönliche Fragen (Malte Spitz)
120 . Die Gruppe
132 . Frank auf den Fotos
142 . Miniaturen IV
147 . Wovon man nicht sprechen kann (Ludwig Wittgenstein)
163 . Maximilan heißt noch Maximilian
167 . Hass, das war früher
169 . Ich bin
174 . Miniaturen V
179 . Psst! Sonst kommt Papa ins KZ! (Maxie Wander)
203 . Ein glücklicher Tag
207 . Sieh mich an, wenn Du mit mir sprichst
208 . Nachworte
216 . Informationen zur Stotterer-Selbsthilfe NRW, zur BVSS und zum Demosthenes-Verlag


Vorwort oder Warum Sie dieses Buch lesen sollten

Wenn Sie selbst nicht stottern und auch nicht einer Ihrer Freunde oder Verwandten –
warum in aller Welt sollten Sie dann dieses Buch lesen?
Millionen Menschen auf der Welt haben den Film The King’s Speech gesehen und waren tief berührt von dem Kampf des britischen Königs George VI mit seinem Handicap. Millionen Menschen, die nicht stottern.
Vier Oscars konnte The King’s Speech 2011 gewinnen, u. a. David Seidler für das beste Drehbuch. Von der schicksalhaften Verknüpfung seines bewegten Lebens mit der Biografie King George VI können Sie in der Erzählung Der berühmteste Stotterer der Welt lesen. Aber auch andere prominente Stotterer werden literarisch porträtiert: Der Maler Marc Chagall, die Schauspielerin Marilyn Monroe, der Philosoph Ludwig Wittgenstein, die Schriftstellerin Maxie Wander und der Politiker Malte Spitz.
Wenn auch Ihr Leben manchmal nicht recht in Fluss kommt, ins Stocken gerät, es nicht so läuft, wie Sie gerne möchten, wenn vielleicht auch Sie immer wieder herausgefordert sind zur Balance zwischen Akzeptanz und Widerstand – dann lesen Sie dieses Buch! Denn es handelt vom großen Trotzalledem, vom Mut, mitunter gar vom Glück.
Ich besuchte Selbsthilfegruppen in Bonn, Düsseldorf, Köln, Dortmund, Bielefeld, Finnentrop, Kleve, Münster und Göttingen. Dort gab es keine prominenten Namen, aber spannende Erfahrungen: Stotternde ließen mich während langer Abende teilhaben an ihrer Auseinandersetzung mit einem kleinen großen Handicap. Jetzt erst recht! Reiche Impulse flossen in die Miniaturen ein oder bildeten den Stoff für eigenständige dramatische Erzählungen.
Natürlich ist zudem manches auch autobiografisch grundiert. Warum auf einen Schatz von sechs Jahrzehnten Stotterer-Erfahrung verzichten?
Meine Besuche in den Gruppen wurden begleitet von Ilona Richter. Ihre einfühlsamen fotografischen Porträts finden sich bei den fünf Kapiteln der Miniaturen. Die abgebildeten Menschen sind nicht unbedingt identisch mit den Protagonisten. Namen und Umstände sind, von historischen Personen abgesehen, in allen Erzählungen frei erfunden.

Gerd Riese


Autor

Gerd Riese, wurde 1950 in Kettwig an der Ruhr geboren und arbeitete lange als Sonderschullehrer für sogenannte geistigbehinderte Kinder an einer Privatschule in Dortmund. Zugleich war er immer auch als Schriftsteller tätig. 2006 erhielt er den 1. Preis im Lyrik-Wettbewerb der Rauner-Stiftung für seinen Gedichtband 'Das Licht am frühen Morgen' (Grupello-Verlag Düsseldorf). Er lebt heute als freier Autor in Witten.
Gerd Riese weiß, wovon der schreibt, er ist selbst - ein geübter Stotterer.


Rezensionen und Meinungen

aus: mit SPRACHE, Heft 1, Jänner 2014, 46. Jahrgang
Fachzeitschrift für Sprachheilpädagogik und angrenzende Disziplinen
Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik - ÖGS

... Jeder literarische Beitrag in diesem Buch, selbst die kurzen Miniaturen; geben einen tiefen Einblick in die Seele eines Menschen und dessen ganz individuellem Umgang mit seinem Handikap. Manche Erzählungen sind spannend wie gute Krimis, und man möchte das Buch erst weglegen, wenn man am Ende angelangt ist. Und dennoch kann man es auch als Lehrbuch bezeichnen. Denn es vermittelt jedem Menschen mit Empathie ein Wissen über das Phänomen „Stottern“, das sich zwar nicht als Faktenwissen bezeichnen lässt, aber einem Verstehen aus eigener Erfahrung sehr nahe kommt.

Beate Winkler

aus: PathoLink, Heft 22, 12. Jahrgang, 1/2013
Zeitschrift des Verbandes für Patholinguistik e.V.

Das kleine handliche Taschenbuch von Gerd Riese ist kein Klassisches Fachbuch. Es ist mehr: Erzählungen aus dem Leben stotternder Menschen, wie der Untertitel verlauten lässt. …

… Neben literarischen Portraits zu den berühmten Stotterern Marc Chagall, Marilyn Monroe oder King George erfährt man aber auch viele Details über die Realität des Lebens von nicht-berühmten Menschen die Stottern. Gerd Riese empfiehlt sein Buch denjenigen, deren „Leben manchmal nicht recht in Fluss kommt, man ins Stocken gerät, es nicht so läuft“, wie sie gerne wollen und die eine „Balance zwischen Akzeptanz und Widerstand“ suchen.

Dem kann ich mich nur anschließen, denn man erfährt Details, die einem ein Fachbuch zu Redeflussstörungen nur bedingt bieten kann.

Marie Zielina, Potsdam

aus: Sprache – Stimme – Gehör (Bücherecke), Januar 2013

... Aufgelockert wird das Werk durch eine Vielzahl fotografischer Porträts. Gerd Riese, der sich selbst als „geübten Stotterer“ bezeichnet, beschreibt abwechslungsreich, authentisch und teilweise berührend verschiedene Wege der Auseinandersetzung mit dem Stottern. Ein Buch nicht nur für Menschen, die stottern, sondern ganz sicher für alle, die „sich immer wieder der Herausforderung einer Balance zwischen Akzeptanz und Widerstand stellen“, wie es der Autor in seinem Vorwort empfiehlt.

Birte Rippken, Hannover

aus: Forum Logopädie Heft 5, September 2012

... Beschrieben wird ein breites Spektrum der Auswirkungen des Stotterns, des Leidens daran und auch der Bewältigung dessen, was in einigen Erzählungen und persönlichen Aussagen in ihrer Intensität unter die Haut gehen kann. Thematisiert werden unterschiedliche Lebensbereiche wie z. B. Kindheitserinnerungen, erste Liebe, Prüfungen, Berufswahl und berufliche Herausforderungen, die Stotterer-Selbsthilfegruppe und Therapieerfahrungen. Zusammenfassend „handelt es vom großen Trotzalledem, vom Mut, mitunter gar vom Glück.“
... Authentizität und Alltagsnähe bekommt das Buch durch diverse Beiträge von Teilnehmern vieler Stotterer-Selbsthilfegruppen. Zudem werden auch autobiografische Einflüsse des Autors deutlich, der sich selbst als „geübten Stotterer“ bezeichnet.
Zusammengefasst ist dies ein gelungenes Buch, das vor allem zur Auseinandersetzung mit der Thematik des Stotterns in der Therapie und Ausbildung gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Anika Behrens, Münster

aus: Der Kieselstein, Heft 3, August 2012

Nicht nur beim Krimi lässt man sich gelegentlich von der Neugier hinreißen. Auch bei der Lektüre von Gerd Rieses Buch „King Goerge, Chagall, die Monroe und wir“ konnte ich es nicht lassen, während des Lesens hinten reinzuschauen. Dort fand ich ein Gedicht vor, das mir sehr aufschlussreich erschien. Es beginnt mit den Sätzen: „Beim Schreiben sah ihm keiner über die Schulter. Keine Mutter, kein Vater, kein Bruder, keine Schwester. Schreibend war er allein und stark.“ Drei Sätze, die viel verraten. Sie geben Einblick in tiefere Beweggründe des Schreibens, und zwar in die Zeit, bevor der Autor Schreibender wurde. Es scheint, als ob sich der der Autor als Kind in seinen Äußerungen außergewöhnlich stark beobachtet gefühlt hat, sich nicht seiner sicher war, sich für sprachliche Äußerungen geschämt und vor der Bewertung dessen, was er aussprach, geängstigt hat. So mag ein Schweigen entstanden sein, hinter dessen ruhiger Kulisse ein unübersichtliches Schlachtfeld getobt hat, das sein Stottern erregt haben könnte. Zumindest mir geht das so.
Mit sieben Jahren fängt bei Gerd Riese die Lust zu lesen an. Mit vierzehn arbeitet er, lesesüchtig geworden, in der Ausleihe der örtlichen Bücherei. Tausende Bücher hat er verschlungen. Mit der Entdeckung der schriftlichen Sprachwelt kommen seine verschütteten Ausdrucksmöglichkeiten in Bewegung und er beginnt selbst zu schreiben. Zunächst Tagebücher. Heute füllen 80 Bände sein Regal. Dann versucht er sich als Autor. Viel landet im Papierkorb, aber Gerd Riese bleibt, wie es seine Natur ist, konsequent und beginnt immer wieder von Neuem. Nach und nach macht er die Beobachtung, dass beim Schreiben die eigenen „Bruchstücke bösartiger Laute“ zerfallen, sich selbst die gesprochenen Sätze nicht mehr wie „Stotterruinen“ anfühlen. Er schließt einen „Geheimbund“ mit den Wörtern ab, tritt mit ihnen „in einen freundschaftlichen Zweikampf“, bekommt mehr und mehr Boden unter seine Füße, wird sicherer. Gelungene Formulierungen, elegante Wendungen kommen immer öfter. Sie sind für ihn „ein Triumpf – über tausend Niederlagen, über die Angst vor der Angst, vor dem einfachsten der Welt: zu sprechen.“ Schließlich bringt er einen Lyrikband heraus, bekommt dafür einen Preis und schließlich kommt das zweite Buch: „King George, Chagall, die Monroe und wir“. Und in dem Gedicht, am Ende dieses Buches, heißt es: „Endlich auf der Siegerstraße.“ Eine Bestätigung für meine Vermutung, dass es sich in dunkler Seelentiefe um einen besonders kraftraubenden Krieg, um Sieg und Niederlage gehandelt haben könnte. Der Sieg gelang ihm nicht im Sturm, es war oft ein mörderischer, lähmender Kampf. Nun, mit 61 Jahren, kann er befreit sagen: Jetzt liebt ich meine Wörter. Sie sind ich. Sie gefallen mit. Er fühlt sich deren Verwendung nicht mehr beobachtet, sondern beobachtet sie. Und am Ende des Gedichtes heißt es schmunzelnd: „Er schrieb und schrieb, feierte und schmeichelte sich selbst und keiner sah ihm über die Schulter.“
Gerd Riese hat sich den durch das Stottern verschütteten Zugang zur Welt der Sprache schreibend erobert. Wenn man ihm heute begegnet, strahlt er ausgedehnte Ruhe und bescheidene Ausgeglichenheit aus. Er sagt, jetzt sei er mit sich zufrieden: „Ich bin Stotterer und das ist gut so“. Den Satz wiederholt er gerne und mit Stolz. Denn das Eroberte kann ihm keiner mehr nehmen. Doch damit nicht genug. Gerd Riese steht heute nicht nur zu seinem Stottern, sondern er geht damit und mit seinem Buch sogar auf Lesereise. In dieser Kombination hat das keiner vor ihm gemacht. Und er liest großartig. Ich hab ihn bei seiner ersten öffentlichen Lesung in einer Buchhandlung in Wiesbaden gehört. Seine Stimme kam mir ganz ungekünstelt vor. Ich konnte ihm viel besser zuhören als so manchem Schauspieler, der mit seiner monoton gespreizten Art endlose Hörbücher füllt. Aufregend natürlich, Gerd Rieses Spur zu folgen, die seine verzögerten Konsonanten hinterlassen.
In seinem neuen Buch geht es durchweg um Stotterer, die den Kampf gegen das „Monster Stottern“ aufgenommen und schon deshalb gewonnen haben. Endgültig, sagt er, schafft es keiner. Viele seiner großen und kleinen Heldengeschichten sind autobiographisch durchsetzte kleine Miniaturen, Nachzeichnungen gewonnener Mutproben oder durchgestandener Niederlagen, übertragen auf erfundene oder reale Figuren. Rieses große Vorbilder sind berühmte Schriftsteller, Drehbuchautoren, Maler, Philosophen, Politiker und Schauspieler. Allesamt Stotterer. Er bewundert Marc Chagall, dessen Motto „Lieber Narr als ein schlechter Mensch“ ihn durchs Leben getragen hat, den Drehbuchautor des Films „The Kings Speech“, der als Stotterer seinen Lebenstraum erfüllen konnte, nur der stotternden Schauspielerin Marilyn Monroe gegenüber versagt er seine Anerkennung. „Nein, Marilyn ist kein Vorbild für mich“ titelt er das Kapitel über sie. Mit ihrem Flüstersex habe sie zwar das Stottern in den Griff bekommen, aber sie sei damit nicht klargekommen und sei, um den Anforderungen zu genügen und zu ertragen, den Drogen verfallen. Der Regieassistent von John Houston, der Marilyn sehr genau bei den Dreharbeiten zum Film „The Misfits“ beobachtet hat, bezeugt, dass Marilyn Drogen nahm, um nicht zu stottern. Wird hier ein Tabu-Thema berührt? Stottern und Drogen? Sicher, wer in der Gesellschaft mitspielen will, zahlt manchmal einen Preis, zuweilen einen hohen. Marilyn gehörte zu den Stotterern, die mit Drogen weniger stottern. In „The Misfits“ spielt sie großartig. Eine hervorragende Charakterdarstellerin. Sie hätte lieber nicht spielen sollen und mit sich und seinem Stottern Frieden schließen sollen. Nun: Marilyn ist keine Desensibilisierungs-Hardlinerin. Aber wie viel Stotterer trinken, um mit dem Stottern zurechtzukommen? Gibt es eine Statistik darüber? Mag sein, dass Marilyn ein Opfer des Hollywood-Kapitalismus geworden ist. Aber müssen wir über sie den Stab brechen? Durfte sie ihren Traum nicht erfüllen, hätte sie zum Stottern stehen müssen? Ich weiß es nicht. Ich denke nur: Wenn Marilyn ein Opfer des Kapitalismus war, dann müssen wir eben den Kapitalismus abschaffen und nicht nur Marilyn die Schuld geben.
Diese kleine Anmerkung soll nicht die Leistung des Autors schmälern, sondern sind eher den Schwächen des Rezensenten zuzuschreiben. Gerd Riese ist ein beharrlicher, konsequenter Mann, der uns voranschreitet und von dem wir alle viel lernen können.

Henning Burk, Frankfurt