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Charles Van Riper: Die Behandlung des Stotterns

ab 22,50 €

inkl. MwSt., zzgl. Versand

Beschreibung

Charles Van Riper

Die Behandlung des Stotterns

Demosthenes Verlag, Köln 2016, 7. Auflage, 268 Seiten

Normalpreis: 25,10 € | BVSS-Mitglieder: 22,20 €

ISBN 978-3-921897-02-7

Der Lernleitfaden für

Die Behandlung des Stotterns von Charles Van Riper

von Darrell Dodge
ist diesem Buch kostenlos beigelegt.

In seinem Buch beschreibt Charles Van Riper die vier Abschnitte seiner Therapie: Identifikation, Desensibilisierung, Modifikation und Stabilisierung. Dabei zeigt er therapeutische Techniken und Prinzipien, die helfen, ein normales Sprechen frei von Sprechängsten zu entwickeln.
Das Fach- und Lehrbuch zur Symptommodifikation ist ein Standardwerk für alle Fachleute, aber auch eine Pflichtlektüre für alle Anhänger von Van Ripers Therapieansatz.
Neben einer neuen Aufmachung enthält die aktuelle 7. Auflage jetzt ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein zusätzliches Vorwort des Übersetzers Andreas Starke. Inhaltlich ist der Text unverändert.

– Das Standardwerk der Stottermodifikation –


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung (S. 1)

Der Therapieplan (S. 3)
Grundlagen unserer Therapie
Stottertherapie als Verlernen und Neulernen
Servotherapie
Psychotherapie
Literatur

Motivation (S. 21)
Motive des Stotterns
Motivationsschwierigkeiten in der Therapie
Die Darstellung der Kompetenz und des
Engagements des Therapeuten
Feinziele und Motivation
Verstärkung
Literatur

Identifikation (S. 47)
Gründe, die Therapie so zu beginnen
Die Hierarchie der Identifikationstherapie
Identifikation der elementaren Verhaltensformen
Identifikation der Reaktionen nach dem Stottern
Literatur

Desensibilisierung: Abbau negativer Emotionen (S. 69)
Die Rolle des Therapeuten
Wie desensibilisiert wird: Das Erkennen der negativen Emotionen
Gegenkonditionierung
Systematische Desensibilisierung durch Entspannung
Pseudostottern in der Desensibilisierung
Adaption
Nichtverstärkung
Negative Suggestion und Reizüberflutung
Reaktionsverhütung
Adaption mit negativer Suggestion
Adaption ohne Stress
Die Ausschaltung anderer Quellen der Angst
Beruhigung
Die angstreduzierte Wirkung der Modifizierung des Stotterns
Literatur

Modifikation (S. 107)
Variation
Modifikation: Der Erwerb einer flüssigen Form des Stotterns
Nachbesserung
Modifikation des Stotterns, während es auftritt
Literatur

Stabilisierung (S. 155)
Notwendigkeit einer Stabilisierungsphase
Aktivitäten in der Stabilisierungsphase
Beendigung der Therapie
Literatur

Die Behandlung des beginnenden Stotterns: Vorbeugung (S. 179)
Übersicht über die Literatur
Unser Behandlungsverfahren für den beginnenden Stotterer
Literatur

Die Behandlung des jungen chronischen Stotterns (S. 235)
Unterschiede zwischen Erwachsenen- und Kindertherapie
Identifikation
Desensibilisierung
Verminderung der Frustration
Modifikation
Stabilisierung
Therapie der Umgebung
Literatur

Schlussbemerkung (S. 263)


Vorwort zur 7. Auflage

Dieses Vorwort schreibe ich jetzt, 30 Jahre nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung des zweiten Teils des Buches „Treatment of Stuttering“ (Die Behandlung des Stotterns) von Charles Van Riper. Es hat mich sehr überrascht zu erfahren, dass dieses Buch in den 30 Jahren 10.000-mal verkauft worden ist. Das trifft auf die Originalfassung in den USA nicht zu. Da ist das Buch schon lange vergriffen und steht nur noch in Form von gebrauchten Exemplaren zur Verfügung.

Leider wissen wir nicht, wer die vielen Käufer sind. Ich vermute, dass es Kolleginnen (also Logopädinnen) sind und Menschen, die eine Stottertherapie machen wollen oder gerade machen. Dazu kommen natürlich vor allem, vermute ich, Personen, die sich im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung mit dem Thema Stottern beschäftigen.

Van Riper selbst war mit dem Werk nicht glücklich. Er war vor allem als Autor des Einführungslehrbuchs in die Logopädie „Speech Correction: Pinciples and Methods“, das er in acht Auflagen jeweils vollständig überarbeitet und ergänzt hat, über mehrere Jahrzehnte jedem Berufsangehörigen zumindest mit Namen bekannt. Und er hat dennoch bedauert, dass sein Therapiekonzept von so wenigen Kollegen vollumfänglich verstanden worden ist und dass dieses Buch nicht genug daran geändert hat. Van Riper hat einen Grund dafür darin gesehen, dass die Darstellung breit ist in dem Sinne, dass sie zu umfangreich und zu detailliert ist. „Wenn man solch ein Buch schreibt, ist natürlich die Versuchung groß, alles darin unterzubringen, was man zum Thema weiß, und dann wird es umfangreich und vielleicht auch abschreckend und verwirrend“, hat er mir einmal sinngemäß gesagt. Es könne der Anschein entstehen, als sei Stottern eine komplizierte Störung, was wohl immer noch richtig ist, und als sei die Therapie kompliziert, was nicht stimmt, wenn man sich eine gelungene Therapie im Nachhinein anschaut. Er hat sich immer gewünscht, dass es eine handliche Kurzfassung gäbe, aus der jeder Therapeut schnell die wirklich wichtigen Leitlinien einer guten Stottertherapie erkennen und für seinen aktuellen Patienten anpassen kann.

Die kontinuierliche Rezeption des Buches zumindest in der deutschen Version lässt mich vermuten, dass die große Ausführlichkeit und die vielen Details aus einzelnen Therapien immerhin den Vorteil haben, dass hier ein Standardwerk, ein „Klassiker“, vorliegt, das es dem Leser erlaubt, ein breites Bild von der Störung zu entwickeln und sogar als Ideenquelle dienen kann, wenn einem bei einem Patienten in einer der Van Riper’schen Therapiephasen nichts mehr einfällt.

In diesen 30 Jahren habe ich mit einem Therapieprogramm, das ich aus dem in diesem Buch vorgeschlagenen Vorgehen entwickelt habe, dem „Van-Riper-Programm als intensiver Intervalltherapie für Gruppen von stotternden Jugendlichen und Erwachsenen“ (Kurzbezeichnung „VierMalFünf“), in rund 70 Gruppen mit rund 700 Patienten seit 1987 einen großen Erfahrungsschatz gesammelt.

Da ich ja meine logopädische Ausbildung durch ein Studium der Sprech- und Sprachpathologie erhalten habe, ausgerechnet an der Universität, an der Van Riper bis kurz vorher gelehrt hatte, sieht es auf den ersten Blick so aus, als sei ich 1982 als Van-Riper-Adept nach Deutschland zurückgekehrt. Dem war nicht so. Während meines USA-Aufenthaltes habe ich versucht, alles im Bereich der Stottertherapie zu erfahren und kennenzulernen, was auch nur den geringsten Nutzen zu bringen versprach, was z.B. von (damaligen) Koryphäen Einer Boberg, Bruce Ryan, Joseph Sheehan, Courtney Stromsta und Ronald Webster vertreten wurde. Mein Konzept war das eines Kalten Büfetts, nämlich dass ich zusammen mit den Patienten erörtern wollte, welches das für sie beste Verfahren wäre, und dieses dann mit ihnen durchführen würde. Die Patienten wollten das aber gar nicht. Sie wollten keine Therapiekonzepte mit mir diskutieren, sondern von mir wissen, was ich ihnen empfehle würde. Das sollte ich dann mit ihnen machen. Inzwischen zeigt es sich, dass das Stellen folgender Frage auch bezüglich anderer Gesundheitsprobleme, oder überhaupt anderer Probleme im Allgemeinen, eine gute Faustregel ist: Man frage die Fachperson: „Wenn Sie an meiner Stelle wären, was würden Sie denn machen?“ Nicht: „Was raten Sie mir?“, sondern: „Was würden Sie machen?“

Nun habe ich vor 30 Jahren dieses Buch übersetzt. Ich glaube, dass es überhaupt keine andere Art gibt, ein Buch gründlicher zu lesen und zu verstehen, als es zu übersetzen. Am Ende habe ich keinen Grund mehr sehen können, warum ich mich nicht diesem von Van Riper vorgeschlagenen Vorgehen anschließen und dies auch nach außen hin erkennbar machen sollte. Der Paradigmenwechsel („Nicht stottern“ ersetzen durch „Besser stottern“) gefiel mir, das Phasenkonzept erschien mir logisch und die Vielfalt der beschriebenen Therapieaktivitäten lies mir genug Raum. Dabei hat Van Riper selbst mich sozusagen von allen Verpflichtungen des Schülerverhältnisses entbunden, indem er mir schrieb: „Und fühle Dich nicht an mich gebunden. Forsche und entwickle, zweifle und bezweifle Deine Zweifel. Ich wollte nie jemandes Schüler sein und habe es stets abgelehnt, selbst Schüler zu haben.“ Ich fand es nicht schwer, diesem Rat zu folgen. Das Van-Riper-Konzept lässt so viele Möglichkeiten der Abwandlung und Ergänzung zu, dass der Anpassung an die individuellen Anforderungen des jeweiligen Patienten keine Grenzen gesetzt sind. Aber ich habe auch keine Notwendigkeit gesehen, einzelne Aspekte in den Vordergrund zu rücken und das Ergebnis mit meinem Namen zu verbinden.

Nun wird in unseren Zeiten die Forderung nach der sog. Evidenz-Basiertheit immer drängender. Alles, was man am Patienten macht, soll durch quantitative Untersuchungen gestützt werden. Nur dieses Vorgehen wird akzeptiert und in entsprechenden Leitlinien gefordert. Bei der Auswahl zwischen zwei Therapieverfahren soll das bevorzugt werden, das besser untersucht ist. Besser untersucht ist gleichbedeutend mit höherem Signifikanzniveau, d.h. geringerer Irrtumswahrscheinlichkeit bei der Messung der Therapieeffekte. Eine geringe Irrtumswahrscheinlichkeit lässt sich regelmäßig bei sonst gleichen Verhältnissen durch große Stichproben erreichen. Diese wiederum bedeuten, dass man möglichst viele Fälle in die Auswertung einbezieht, das heißt von der Unterschiedlichkeit der Einzelfälle absieht und alles, was vom Mittelwert abweicht, als zufällig betrachtet. Die Frage, die durch dieses Auswahlkriterium behandelt wird, ist also: Wenn ich nichts über den Fall und nichts über die Wirksamkeit eines Therapieverfahrens bei diesem Fall vermute, welches von zwei verfügbaren Therapieverfahren soll ich wählen? Die Antwort ist klar: Das, dessen Wirksamkeit am besten dokumentiert ist. Das ist unter der Voraussetzung vernünftig, dass einem die Effektstärke gleichgültig ist, und es einem nur darauf ankommt, wie sicher der, ggf. auch sehr kleine, Effekt gesichert ist. Für das alternative Therapieverfahren, das vielleicht besser auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist und im Hinblick auf die wirklich wichtigen Variablen eine viel größere Effektstärke besitzt, stehen aufgrund der geringeren Fallzahlen nur schlechtere Schätzungen für die Irrtumswahrscheinlichkeit zur Verfügung. Es kann aus diesem Grunde nicht gewählt werden.

Die Frage, welches Therapieverfahren anzuwenden ist, sollte aber nicht lauten, zu welchem Verfahren es die statistisch sichereren Auswertungen gibt, sondern welches Verfahren für den gegebenen Patienten die besseren Ergebnisse zu liefern verspricht. Dabei müssten auch ziemlich unsichere Erwartungswerte aus vergleichbaren Fällen, auch wenn dieses nur wenige sind, den Ausschlag geben können, insbesondere dann, wenn die erwartete Effektstärke bedeutend höher ist.

Die Aufgabe, ein weiteres Vorwort für dieses Buch zu schreiben, gibt mir nun Gelegenheit, die Evidenzproblematik mit der Aussicht auf weite Verbreitung (weitere 10.000 Exemplare in weiteren 30 Jahren) hier anzusprechen. Das passt auch sehr gut, denn die o.g. „breite Darstellung“ in diesem Buch bewirkt, dass hier viele Hinweise für alle möglichen Teilaspekte des Stotterproblems zu finden sind, die in einer stringenten Darstellung eines Standardverfahrens gar nicht angesprochen werden könnten. Insofern war die Van Ripers Entscheidung, ein nichtstringentes Buch zu schreiben, wohl doch eine sehr weise.

Ich stelle fest, dass in meinen Gruppentherapien etwas stattfindet, das man als „Einzeltherapien in der Gruppe“ bezeichnen könnte. Schon beim Zusammenstellen einer Gruppe mit 10 bis 12 Teilnehmern wird erkennbar, dass die Sprechstörung Stottern eigentlich nur der gemeinsame Anlass ist, nicht aber der wirkliche Therapiegegenstand. Van Riper hat sich einmal zu der Frage geäußert, ob seine Therapie nicht eigentlich eine verkleidete Psychotherapie ist, die nur in der Gestalt einer Sprechtherapie daherkommt. Das heißt, dass die Ausgangslage der Teilnehmer ebenso tatsächlich so unterschiedlich ist wie in einer Psychotherapie. Damit endet aber auch die Übereinstimmung, da Stottern nach der aktuellen Meinung (die Van Riper und ich teilen) ja keine primär psychische Störung ist. Die Varianz der Fälle, d.h. der individuellen Stotterproblematik, aber erklärt, warum es für diese Art der Stottertherapie, die diese Varianz berücksichtigt, so wenige statistisch gesicherte Wirksamkeitsnachweise gibt. Diese verlangen große Mengen von ähnlichen d.h. vergleichbaren Fällen und können nur für simple, einheitliche Therapieformen geführt werden, wenn diese Varianz ignoriert wird.

Die Vielfalt der Interventionsmöglichkeiten und die innere Logik des Phasenmodells ermöglichen es, eine genau auf den einzelnen Patienten und seine Variante des Stotterproblems zugeschnittene Therapie durchzuführen. Ich hoffe, dass dieses Ziel mit Hilfe dieses Buches von vielen Patienten und vielen Therapeuten erreicht wird.

Hamburg, November 2016
Andreas Starke


Autor

Charles Gage van Riper (* 1905 in Champion Township, Michigan; † 25. September 1994 in Kalamazoo) war ein amerikanischer Sprachtherapeut und gilt als der Begründer der amerikanischen Logopädie. Er war einer der berühmtesten Experten auf dem Gebiet des Stotterns und hat die Therapielandschaft nachhaltig geprägt. Charles van Riper war von seinem zweiten Lebensjahr an Stotterer. Er wurde an der Universität von Iowa Schüler von Lee Edward Travis, der zusammen mit Samuel Torrey Orton die Lateralisierungshypothese des Stotterns aufstellte. Im Jahr 1936 wurde van Riper an der Western Michigan University in Kalamazoo angestellt, um Sprachtherapie zu unterrichten. Hier gründete er auch eine Klinik und blieb bis zu seinem Ausscheiden 1976 dort. Die heute sehr verbreitete Therapieform der Stottermodifikation (auch Nicht-Vermeidungsansatz oder Van-Riper-Therapie genannt) mit den vier Therapiephasen Identifikation, Desensibilisierung, Modifikation und Stabilisierung sowie den Sprechtechniken Pull-Out, Preparatory Set und Cancellation wurde von van Riper entwickelt. In Deutschland wurde die Verbreitung des Therapieansatzes mit der Veröffentlichung des von Andreas Starke übersetzten 2. Teils von „The Treatment of Stuttering“ durch die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e. V. stark gefördert. Van Riper starb nach einer langen Krankheit am 25. September 1994 in seinem Haus in Kalamazoo.

(Quelle: Wikipedia)


Rezensionen und Meinungen

aus: Logos, Nr. 3, 23. Jahrgang, Sept. 2015
Die Fachzeitschrift für akademische Sprachtherapie und Logopädie


Bücher, die mich und mein Stottern begleitet haben
Ein Essay

…Nach meinem Zivildienst habe ich Sonderpädagogik studiert. Und las auch deshalb schon Bücher zur Logopädie und Lerntheorie. Das Werk jedoch, das ich wahrscheinlich mitnehmen würde auf die berühmte einsame Insel, lernte ich nicht an der Uni kennen: „Die Behandlung des Stotterns“ von Charles Van Riper (1992). Kein anderes Buch in meinem Bücherregal ist so zerlesen und zerfleddert und kann nur noch mit einer Unmenge an Klebstreifen einigermaßen zusammengehalten werden. Wie Hoods „An einen Stotterer“ vermittelt auch Van Riper eine absolut wohltuende Entspannung. Stottern ist in Ordnung, man darf stottern, alles kein Problem. Doch niemand muss weiterhin auf die Art und Weise stottern, wie er es gerade tut, so Van Ripers Botschaft. Man kann sein Stottern verändern, wenn man nur will, so dass es einem besser gefällt, es vielleicht weniger stört. Ich verschlang das Buch, machte mir Notizen in einer Kladde, probierte die beschriebenen Techniken in den Unterschiedlichsten Zusammenhängen immer wieder aus und nahm mich dabei sogar selbst mit einem Diktiergerät auf, um zusätzliches Feedback zu erhalten. Pull-Outs und Vorbereitende Einstellungen praktiziere ich heute noch, Nachbesserungen habe ich im Laufe meiner Reise allerdings über Bord geworfen. Das Buch hat mir zudem viel Freude beschert, Betroffene, die ebenfalls nach dem Ansatz arbeiten und die ich regelmäßig treffe, um mich mit ihnen auszutauschen und gemeinsam mit ihnen zu lachen, auch über unser Stottern.
Ich habe noch andere Veröffentlichungen zum Nichtvermeidungs- und Modifikationsansatz in der Stottertherapie gelesen, etwa „Verhaltenstherapie des Stotterns“ (Wendlandt, 1980) oder „Techniken in der Stottertherapie“ (Ham, 2000). Van Riper bleibt für mich jedoch die unangefochtene Nummer Eins. Wie mir hat Van Riper vielen stotternden Menschen geholfen, das weiß ich sicher. Er selbst schreibt über sich und seine Methode, das Stottern zu therapieren, im Alter von 67 Jahren (Van Riper, 1993, S. 130): „Jahrelang versuchte er, dem Stottern aus dem Wege zu gehen, und es wurde nur noch schlimmer. Erst als er lernte, dass es möglich ist, leicht und ohne Kampf zu stottern, wurde er flüssig. Er ist im Alter von dreißig Jahren geboren worden und hat seitdem ein wunderbares Leben geführt.“ Natürlich wurde seit Van Ripers Buch weitere therapeutische Literatur zum Stottern publiziert, ich aber bin zwischenzeitlich ausgestiegen, habe meinen Frieden mit dem Stottern gemacht und muss nicht mehr ständig auf dem neuesten Stand bleiben.

Steffen Paschke, Siegen

aus: HNO-Praxis, Heft 4, 1990

„... Zur Grundidee des Therapieplanes gehören das Verlernen fehlangepaßter Reaktionen und die Bekämpfung von Sprechangst. Der Patient soll lernen, „mit seinem Stottern“ fertig zu werden und angestrebt wird „der flüssige Stotterer“.

Die Therapie gliedert sich in 4 Abschnitte.

1. IDENTIFIKATION
Der Patient muß sich bewusst werden, was er macht, wenn er stottert. Im wesentlichen muß der Stotternde seine gewohnheitsmäßigen Vermeidungsreaktionen als Schwindel gegenüber der Umwelt erkennen. In diese Phase gehört auch die visuelle Selbstkonfrontation, d.h. der Stotternde muß sich im Spiegel dem Bilde stellen, mit dem er seinen Mitmenschen erscheint. Zur Selbsterkennung gehören demnach Frustrations- und Schamgefühl.

2. DESENSIBILISIERUNG
Mit dem Erkennen negativer Emotionen sollen diese, besonders Verspannungen, Hemmungen und Sprechangst im Sinne eines Abhärtungsprozesses durch Streß-Dosierung zur Streß-Toleranz abgebaut werden. Über Rollenspiele und Pseudostottern soll Selbstsicherheit aufgebaut werden.

3. MODIFIKATION
Fehlangepaßte Reaktionen sollen angepaßten Reaktionen weichen. Flüssiges Stottern bedeutet, keine Angst vor dem Sprechen zu haben. Der Patient soll erkennen, daß er mit dem krankhaften „sich selbst Hören“ aufhören muß. Methodisch greift der Therapeut hier zum Einsatz verzögerter Rückkopplung, Elektrokehlkopf und Pantomime.

4. STABILISIERUNG
In dieser Phase muß der Stotternde lernen, die Rolle des normalen Sprechers zu akzeptieren und mancher wird sich damit abfinden müssen, auf die „kleinen Vorteile seines Stotterns“ zu verzichten. Der Patient wird sein eigener Therapeut und der Therapeut wird Berater. In den Kontrollsitzungen wird der Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe betrieben und es werden „alte traumatische Situationen“ durchgespielt. Als stabilisierend gilt das „Puffern“, das sind Verhöhnungssitzungen, in denen mit Beschimpfungen und mutwilligem Spott gearbeitet wird.

Die letzten Abschnitte des Buches befassen sich mit der Vorbeugung und mit der Behandlung des Stotterns beim Kind. VAN RIPER hält es nach seinen Erfahrungen für möglich, Kinderkrippen, Kindergärten und Vorschulen für alle Kinder mit Sprechproblemen zu nutzen. Beim plötzlichen Stottern hält er therapeutische Notfallmaßnahmen (wie bei einer Nervenkrankheit) für angebracht und empfiehlt beim kindlichen Stottern nach emotionellem Streß immer Psychotherapie in geeigneter Form.

VAN RIPER, der selbst schwerer Stotterer war, ging in seiner Haltung gegenüber Patienten immer davon aus, daß Stottern keine Krankheit im medizinischen Sinne sei und nannte (anders als z.B. FROESCHELS und FERNAU-HORN) als therapeutische Zielstellung den normalen Sprecher, der stotternd spricht. Seine Behandlungsmethoden Stotternder sind nicht pauschal für den europäischen Kulturkreis annehmbar bzw. übertragbar. Der Autor gibt jedoch mit seinem aufschlussreichen Erfahrungsbericht einen tiefen Einblick in den Therapie-Alltag rund um das Stottern. ...“

H. Zehmisch